Geschüttelt, nicht gerührt

Morgen kehren Blow mit ihrem zweiten Album in die Popwelt zurück. Nach drei Jahren veröffentlichen die Franzosen das zweite Kapitel ihrer Geschichte und haben sich dabei ein bisschen neu erfunden. "Shake the disease" ist ein Soul-Kracher geworden, der mit größtenteils analogen Sounds in den 70er schwelgt. Da klingt es immer nach Funk, nach Soul und nach Disco, dass es eine wahre Freude ist.
Ein Album, das jeden in die Stimmung bringt, diesen Kackvirus abzuschütteln und sich 40 Minuten dem Vergessen hinzugeben. "Shake the disease" verschweigt nicht die täglichen Probleme und Problemchen, bietet aber die stimmungsvolle Alternative. Auf die Frage: Wer bin ich überhaupt?, kann man nämlich auch mal "Scheißdrauf" antworten.
Das ist niveauvolle Unterhaltung wie sie der Titeltrack in der gewohnt stylischen Colors-Video-Session zeigt. Die morgige Veröffentlichung von "Shake the disease" bei Allo Floride Records ist ein gelungener Jahresauftakt.
Parallel zur Veröffentlichung des Albums hauen Blow die ungewöhnliche Nachricht raus, dass sie sich mit sofortiger Wirkung auflösen und die gemeinsame Bandgeschichte beenden. Wir gehen davon aus, dass dies kein PR-Gag ist. Falls doch, ist ein gelungener...

www.soundcloud.com/blow-official

Die coolste Frucht am Baum

In einem Akt algorithmischer Verblödung schlägt iTunes mir vor, "Pink Rose Cadillac" als Alternative zu kategorisieren. Dabei bietet das neue Album von Dope Lemon alles von Soul bis Blues. Dope Lemons Musik ist New Orleans Flair in zeitgemäßen Gewand. Das hört sich manchmal an als sei Mink DeVille wieder auferstanden und hätte die Elektronik für sich entdeckt. So schmachtend schmalzig, dass es zwischendurch Gitarren braucht, die auch Kerben in Metall schleifen können.
Die zehn Stücke des neuen Albums werden mit extremer Lässigkeit dargeboten, die es am Steuer eines solchen Cadillacs einfach braucht. "Rose Pink Cadillac" ist ein Glitzerding, das dich blendet und dir in die müden Knochen fährt. Bis du im Himmel schwebst, meist im siebtem, oder dich eben auf der Sitzbank des geflügelten Gefährts in die Nacht verabschiedest. Mit einem coolen Handzeichen und dem Geschmack des letzten Biers auf der Zunge. Könnte man doch mit Dope Lemon tauschen...Wäre das eine Alternative?

www.dopelemon.com

Kein Hurensohn

Schmyt ist so wie wir das lesen kein Allerweltspopper. Schmyt gibt sich nicht nur Mühe mir der Schreibweise seines Namens, sondern auch mit seiner Musik. Kein Newcomer von vielen, sondern gerade dabei, deutschsprachige Pop-Musik zu verändern. Den Beweis liefert der Berliner erneut ab. Mit der aktuellen Single "Universum regelt", die gleichzeitig der Titeltrack ist des Debütalbums. Das wird am 20. Mai 2022 erscheinen und hinkt Schmyts Popularität doch arg hinterher.
Die Tour zum Album ist überwiegend ausverkauft und der Typ ist bereits im aller Munde. Da hat Schmyt sich richtig hochgearbeitet. Dennoch erinnert "Universum regelt" ein wenig an den Output von Rakede, dessen Leadsänger Schmyt einst war.
Die Latte liegt also hoch und anscheinend ist ganz Deutschland gespannt auf Schmyt. Wir warten ab.

www.instagram.com/derschmyt

Sag Mama

Die Musik ist K.ZIA offensichtlich in die Wiege gelegt. Denn die Mama der jungen Belgierin hatte beachtlichen Erfolg in den 90er mit der Frauenband Zap Mama, die damals als A-capella-Projekt starteten und ein sehr bekannter Name im Bereich der damals so genannten Weltmusik wurden.
K.ZIA treibt sich allerdings heute nicht nur in Berlin rum, sondern auch in gepflegter Soulmusik. Ihr Soul ist angereichert mit Elementen modernen Traps, Hip Hops, R&B und manchmal erkennt man auch Mamas vererbten Afro-Pop. Damit beruft sich die Frau auf Vorbilder von Sade bis Erykah Badu. Ein sehr stilvoller Mix, der sich in den opulenten Videoclips von K.ZIA widerspiegelt, die etwas von Kostümschinken haben.
Sieht man im Video zur aktuellen Single "I got you back". Das Stück gehört zum Debüt-Album von K.ZIA. Das wird "Genesis" heißen und nach Verschiebung im Februar 2022 erscheinen.

www.k-zia.com

Der Junge auf dem weißen Pferd

Es war einmal vor langer Zeit, da sang jemand: Der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr. Das sagen wir aber Cosma Joy nicht, weil's auch ein anderes Thema war. Die junge Münchnerin wartet nämlich noch auf den Prinzen. Falls ihr neuer Song "Boy boredom" tatsächlich autobiographisch sein sollte. Cosma Joy sagt zum Song: "Es geht um das Gefühl, wenn niemand da ist zum Küssen, niemand da zum Berühren und das Schlimmste, wenn noch nicht mal jemand da ist, von man träumen könnte."
"Boy boredom" ist wie auch die übrigen Songs der 20-jährigen gutes Songwriting, cool arrangiert, ein bisschen Jazz und etwas Chanson-Feeling. Das alles bringt Cosma Joy zusammen mit einer außergewöhnlich guten Stimme. Klingt durchgängig aktuell, aber auf gewisse Weise auch zeitlos. Derzeit noch unter dem Radar, aber mit dem Potential, vielen Menschen gefallen zu können.
"Boy boredom" ist der Titeltrack der Debüt-EP, die im kommenden April bei Ninety Days Records veröffentlicht werden soll.

www.cosmajoy.com

Techno von Manufactum

Das ist handgefertigter Techno, den uns Elektro Guzzi bereits seit Jahren präsentieren. Das Trio aus Wien kommt ganz ohne Looper und Computer aus, um ihre Version technoider Tanzmusik zu produzieren. In klassischer Rockbandbesetzung orientieren sich Elektro Guzzi am Detroit-Techno und auch an Jazz.
"Prototyp" ist der Auftakt für die Promotion des neuen Albums "Triangle", das im März 22 erscheinen soll. "Prototyp war das Herzstück eines Live-Sets, das wir während der Arbeit am Triangle-Album in unserem Studio in Wien aufgenommen haben. Für uns repräsentiert er die Energie und den Drive, den wir immer anstreben, wenn wir zusammen improvisieren", so die Band über die neue Single.
Ein handgeklöppelter, verzierter und bemalter Techno-Prototyp.

www.elektroguzzi.net