"Dieser dreckige Berliner Charme ist definitiv in unserem Sound drin."

leopard bandfotoDie Berliner Newcomer von LEOPARD haben in schwierigen Zeiten zwei beachtenswerte EPs veröffentlicht. Wir hatten Gelegenheit, mit Sänger Lars Paprotta zu sprechen, der uns erzählt hat, wo LEOPARD musikalisch herkommt, wo's hingehen soll und warum Streamingdienste und AirBnB oft auch richtig scheiße sein können.

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Männerträume

Sicher nicht nur das männliche Publikum hat davon geträumt, am heutigen Abend in Düsseldorf dem ultracoolen Crooner Dope Lemon zujubeln zu können. Das wird nichts wie wir wissen. Als Trostpflaster gibt's zumindest den neuen Song des Australiers, der nächsten Monat in seiner Heimat bereits wieder vor 5.000 Menschen auftreten wird. Seufz...
Uns zeigt sich Dope Lemon im Clip zu "Rose pink Cadillac" von seiner besten Seite. Schmachtender Soul in stylischen Klamotten mit jungen Tänzerinnen. Das kann derzeit kaum jemand besser als Dope Lemon, der sich an großen Vorbildern der 60er und 70er orientiert.
Es wird garantiert hammercool, wenn wir Dope Lemon endlich irgendwo bei uns um die Ecke  werden sehen können. Geduld, Leute...

www.dopelemon.com

Stimmig

Es ist sehr passend, Melonyx als Soulsister-Duo zu bezeichnen. Die erste Single der beiden mit den beiden Tracks "Melanin queens" und "Energy" ist klassischer Soul. Selbstverständlich in aktuellem Sound, aber trotzdem mit deutlichem Bezug auf vergangenen R'n'B und Soul.
So bietet auch die Live Session von "Energy" ganz feinen Gesang über samtigem Grund und beweist, wo die Qualitäten von Georgia Copeland und Nadia Latoya liegen. Zudem sind die Beiden ganz klar in ihren Aussagen und stellen das Empowerment von Frauen, besonders farbiger Frauen, an die erste Stelle.
Nadia und Georgia kennen sich lange und haben eigenen Karrieren gestartet, aber sich dann doch zum Duo Melonyx zusammen gefunden. Die ersten Songs wurden in Nottingham von Joe Buddha produziert und direkt bei der sehr guten Labeladresse Tru Thoughts in Brighton veröffentlicht. Man kann schlechter starten...

www.instagram.com/melonyxmusic

 

Eistee und Pizza mit Gitarren

Hinter Bachelor stecken Melina Duterte und Ellen Kempner, die sich bisher mit eigenen Projekten in der Indie-Rock-Szene bekannt machten. Im Frühjahr 2020 taten sich die beiden zusammen, mieteten ein Haus in Kalifornien und stellten in nur zwei Wochen ein gemeinsames Album fertig. Auf "Doomin' sun" befinden sich 10 Songs, in denen derart viel USA steckt, dass es amerikanischer nicht geht. Da ist alles drin von Bob Dylan, über Lou Reed und Johnny Cash bis zu den Indigo Girls und Nirvana.
Und trotzdem wirken die Stücke so fokussiert, auf die wichtigen Dinge beschränkt, nullkommanull Firlefanz. Schöne Basslines, herrliche Gitarren (akustisch, elektisch mit und ohne Pedale), sparsame Elektronik, tolle Vocals und Harmonien zeichnen "Doomin' sun" aus. In diesem unwiderstehlichen Wohnzimmer-Garage-Sound wird das zu einem 33-minütigen Hörgenuss. "Doomin' sun"  ist auf seine Weise völlig unerwartet unglaublich. Wer unter Sesselfurzen leidet, sei dies Album als Heilmittel empfohlen.
"Stay in the car" ist die vorläufige Single dieses Schmuckstücks!

www.bachelor-band.com

Warmduscher

Den Eindruck von Warmduschern machen fluppe nicht wirklich, auch wenn der Hebel der Mischbatterie eindeutig links stand, als der Frontmann der Hamburger Band für das Video im Anzug brauste. Ansonsten steht fluppe für einen coolen, kräftigen Rocksound. Mit deutschen Texten, die nicht im Sand der Plattitüde versinken.
Die Vier haben sich im letzten Jahr mit ihrer Stadtteil EP "Billstedt" eindeutig als Hamburger Band zu erkennen gegeben, aber nationale Aufmerksamkeit erregt. Jetzt ist das Debütalbum "Blüte" fast fertig. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Produzenten Gregor Hennig entstanden 11 Songs, von denen "Williams Christ Superstar" der erste ist, den ihr zu hören bekommt. Musikalisch konzentriert man sich auf das Wesentliche und auch textlich gilt maximale Konzentration: "Wir sind frei und wir sind jung!"
"Blüte" soll im Herbst bei Chateau LaLa erscheinen.

www.fluppeband.de

Karg, düster, doch voller Seele

Es ist sehr ungewöhnlich, wenn der Clip zu einem zweieinhalb Minuten Stück die ersten 30 Sekunden stumm bleibt und zudem weitere 40 Sekunden lediglich rezitiert wird. Dann bleibt von einem Song fast nur übrig, was andere als Interlude auf Alben packen. Bei Charlotte Day Wilson ist das die erste Single-Auskopplung "If I could" für ihr Debütalbum "Alpha".
Und das Video zu "If I could" hinterlässt wegen der komprimierten Dichte und den eindrucksvollen Bildern einen bleibenden Eindruck. Aber letztlich stellt auch der beeindruckende Clip nicht Charlottes beachtenswerte Stimme unter den Scheffel. Die junge Frau aus Toronto ist gesegnet mit einer prägnanten Soulstimme, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutraut. Damit kann sie fast spielerisch leicht ein Motown-Feeling in jede Hütte bringen.
Das alles lässt erwarten, dass das Debütalbum "Alpha" für Gänsehautmomente gut sein wird. Am 09. Juli also besser warm anziehen.

www.charlottedaywilson.com

Rock die Garage

Beim Hamburger Speziallabel La Pochette Surprise erscheint morgen das Debütalbum von Hawel/McPhail und klar ist: Wo sonst? Schnörkelloser Garagenrock mit wunderschönenen Fuzzgitarren ist bei La Pochette Surprise bestens aufgehoben. Hinzu kommt, dass das Label, Frehn Hawel und Rick McPhail sozusagen um die Ecke wohnen. Eine klassische Win-win-Situation, die die beiden Hamburger Szenegrößen zwangsläufig in die Arme von Labelchef Velvet Bein trieben.
Die beiden Protagonisten kennen sich bereits ewig, teilen musikalische Vorlieben, so dass es nun mal Zeit wurde, eine gemeinsame Band zu gründen. Jetzt ist das Debüt "Transmissions from the upper room" startklar und wird heute von Hawel/McPhail auf die Reise geschickt. Gut möglich, dass es ab sofort für nicht nur gerinfügigen Aufruhr sorgen wird.

 

Alkohol, grüne Oliven und Käse auf Spießen

Wurde an dieser Stelle eigentlich bereits erwähnt, das tropenhausliebende Menschen ziemlich coole Babos sind? Dementsprechend gilt also nicht nur für mich, sondern auch für Alex Mayr, die sogar extra mit weißen Anzug ins Tropenhaus ging, um dort den Clip zu aktuellen Single "Margaritas" aufzuzeichnen.
Das hat Stil, ganz genau wie die meisten Songs von Frau Mayr. "Margaritas" ist dafür wieder mal ein sehr gutes Beispiel. Mit enormer Leichtigkeit erzählt Alex in dem Song von einem verkaterten Sonntag, der sich so wahnsinnig gut anfühlt, weil der dazugehörige Vorabend einfach genial war. Endlich jemand, der seinen dicken Kopf nicht betrauert, stattdessen wünscht, "dass es nochmal gestern ist".
"Margaritas" ist die zweite Single aus dem kommenden Album "Park". Beim Hören der neuen Single wird klar, dass der werweißwo liegende Park der zentrale Begriff für das neue Album zu sein scheint. Etwa ein Konzeptalbum? Wir werden sehen. Am 09. Juli, wenn "Park" auf Alex' eigenem Label Alex Mayr Rekorder erscheinen wird.

www.alex-mayr.com

Coole blaue Stunde

Es ist die alte Geschichte von Papas Plattenkiste. Auch die beiden Londoner Namali Kwaten und David Mrakpor fühlen sich vom Plattenschrank ihrer Eltern dermaßen inspiriert, dass sie zu Beginn ihrer eigenen 20er Jahre Blue Lab Beats gründen. Kwaten wählte in diesem Zuge den Künstlernamen NK-OK, bei dem es sich auch um einen Impfstoff handeln könnte, und kreiert für Blue Lab Beats die Elektronik und Sounds. Mrakpor nennt sich schnöde Mr. DM und ist der musikalische Tausendsassa der Band und damit deren Keyboarder, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger.
Gemeinsam erschaffen sie einen stark jazzinspierten Sound mit Einflüssen von HipHop, Soul, R'n'B und afrikanischen Elementen wie bei der Single "Blow you away (Delilah)", die ein absoluter HInhörer ist. Der Track eröffnet die gestern veröffentlichte EP "We will rise", die voller cooler Jazzstücke ist. Die beiden Twens schrecken dabei nicht vor althergebrachten Instrumenten wie einem Rhodes Piano, Vocodern und Saxophonen zurück, was eindrucksvoll die Verbindung zu Papas Plattenkiste beweist. Dass Blue Lab Beats damit einen Nerv treffen, dokumentiert der Vertrag mit Blue Note Records. Dieses wahnsinnig renommierte Label, welches im Prinzip ein Synonym für Jazz ist. "We will rise" wünschen wir den beiden Jungs für die Zukunft und ist ab sofort digital verfügbar. Und für die Eltern: Ab 18. Juni auch als Vinyl.

www.bluelabbeats.com

Wo genau liegt Pompano?

In der letzten Woche veröffentlichte der kanadische Musiker Mudie seine neue EP „Pompano“. Beim Start mit dem Titeltrack kommt man nicht auf die Idee, das Hugo Mudie eine ausgeprägte Punkvergangenheit hat. Das hört sich mehr nach schrägem Chanson an mit einem heftigen 80er Flair. Auch beim nächsten Stück „L’aeroport“ fühlt man sich deutlich stärker an das Sonnendeck der Aida erinnert als an Johnny Rotten.
Bei allen vier Stücken der neuen EP positioniert der Kanadier intensive, verzerrte Gitarren im Mittelpunkt und staffiert das mit einem Drumcomputer aus, den er vermutlich auf dem Flohmarkt erstanden hat. Das hat etwas von heißen Tagen auf südfranzösischen Campingplätzen mit ungekühltem Bier und viel zu süßem Pastis. Irgendwie cool…

www.hugomudie.com

Kosmischer Synthie-Soul

Hemai kombiniert Soul und Jazz mit Schattierungen aktuellster Elektronik in brillanter Art und Weise. Der 22-jährige transzendiert seine Musik mit Leichtigkeit ins Himmlische. Geerdete Sounds mit den Wurzeln im Guten von Gestern gehen ab ins Spacige.
Dabei schreckt Hemai nicht vor ganz deepem Soul zurück oder antiquierten Discosounds, ist nicht fies vor Violinen und schönen Gitarren. "Von seiten der Produktion experimentiere ich mit dem Konzept des Weltalls, bringe meine bevorzugten Sounds aus der ganzen Welt zusammen und verflechte sie mit UK Roots", fasst Hemai das prägnant zusammen.
"Love dancer" ist ein Stück aus dem hervorragenden Debüt-Album von Hemai und hier in einer Wohnzimmer-Liveversion zu sehen. Spritzige Elektronik mischt sich hier mit angenehmen Bass und zurückhaltendem Piano. In dieses Setting schlägt der Gesang von FiFi Robo tiefe Wurzeln. Diese Intensität ist kaum zu toppen, genau wie bei der Album-Version von "Love dancer", die mit knackigen Drums aufwartet und dadurch in eine ganz andere Richtung geht.
"Strange beauty" wird morgen bei Tru Thoughts veröffentlicht und ist wärmstens zu empfehlen.

www.instagram.com/hemaimusic

Funk und Jazz und Sauerkraut

Die britische Band Squid veröffentlicht übermorgen ihr Debütalbum "Bright green field" und ist jetzt schon mit einem gewaltigen Vorschusslorbeerkranz geziert. Das renommierte Magazin Pitchfork bezeichnete eine der vorlaufenden EPs von Squid als "endgültige Grenzenlosigkeitserfahrung". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit Squid immer auch der Begriff Krautrock fällt, dieses Genre, das alle Musikexperten im Mund führen, aber niemand wirklich definieren kann.
Den fünf Jungs von Squid kann man aber diese avantgardistische Herangehensweise an Musik zugute halten, die auch die bundesdeutschen Krautrocker der 70er Jahre auszeichnete. Das Debütalbum wirkt dennoch geerdet, was möglichwerweise darauf zurückzuführen ist, dass "Bright green field" überwiegend in der Stammkneipe von Ollie Judge in Chippenham entwickelt wurde. Der Pub stand zu Pandemiezeiten als Proberaum zur Verfügung und dort haben Ollie, Louis Borlase, Arthur Leadbetter, Laurie Nankivell und Anton Pearson den rockigen Sound entwickelt und mit Funk und Jazz verziert.
Das ergibt eine progressiv-explosive Mischung an Sounds, die dem Krautrock alle Ehre macht. Der ganzen Wahrheit halber, muss ich aber auch gestehen, dass meine Frau mich gerade eben mit dem Koffer in der Hand dringlich aufgefordert hat, Kopfhörer zu benutzen, sonst...

www.squidband.uk

Sand ins Getriebe und Oehl ins Feuer

Oehl ist wieder zurück mit dem Mix aus schwerem Pop und Lyrik in HD. Diese eindeutigen Stärken der Wiener Band werden nun gebündelt für ein Konzeptalbum, das sich Kapitalismuskritik auf die Fahnen schreibt und dessen erste Single folgerichtig "Arbeit" heißt. Das komplexe Thema wird in den Händen von Oehl auch zu Statements hinsichtlich der Schattenseiten der Sebstverwirklung und zum Verkümmern menschlicher Kontakte.
Das hört sich extrem problemorientiert an, aber womöglich bieten Ariel Oehl und Hjörtür Hjörleifsson mit dem neuen Werk auch Lösungen, denn das Album wird "100% Hoffnung" heißen. Diese Hinwendung zur Besserung, das gemeinsame Verändern der Verhältnisse steht auch im Mittelpunkt des Videoclips zu "Arbeit".
Oehl bleibt eine besondere Band. "100% Hoffnung" dient als Beweis und wird am 02. Juli veröffentlicht.

www.oehlmusic.com

Bestimmt audiovisuelle Kunst

Außer perfekt gefönten Haaren zeigt der Videoclip nichts wirklich Wichtiges. Oder habe ich etwas nicht verstanden? Schließlich ist Saskia Hahn nicht nur Musikerin, sondern beschäftigt sich bereits seit Langem mit visual arts und stellt als Künstlerin weltweit aus.
Zumindest lenkt das Video nicht von der Musik ab und das ist doch entscheidend. Denn die ist ausgesprochen gut gelungen. The Heartways ist das neue Projekt von Saskia Hahn, die vielen vielleicht bekannt ist als Tourgitarristin von Pop-Ikone Peaches. Mit dem nicht mehr ganz taufrischen "By your side" liefern The Heartways nun einen Vorgeschmack auf das für dieses Jahr geplante Album. "By your side" ist ein feines Stück Indie-Pop mit einem treibendem Basslauf, knackigem Schlagzeug und mit fetten Gitarrenbreitseiten. Dazu ein klassisch-schönes Arrangement. Fertig ist der Lack. Super zu hören, gucken muss man nicht.