Neue Frauen braucht das Land!

Es muss richtig scheiße sein, wenn man als Frau im Musikbusiness den immer gleichen Vorverurteilungen ausgesetzt ist. Diese Erfahrungen hat lùisa offenbar zur Genüge gemacht. Trotz allem wird die junge Hamburgerin im Mai ihr drittes Album "New woman" bei Nettwerk Records veröffentlichen.
Aus ihren Negativerlebnissen hat lùisa das Beste gemacht: Gute Musik! Das neue Album hat allerlei Popeinflüsse von heute und anno dazumal. Und bei genauer Betrachtung des Clips zum Titelsong wird selbst der Einäugige nicht die Parallelen zu Christine and the Queens übersehen können. Das ist nicht das schlechteste Vorbild für aufstrebende Musikerinnen. Es überrascht also nicht, dass lùisa auf ihrem neuen Album mit geschmeidig-intelligentem Pop aufwartet.
Wir gehen davon aus, dass es bis zum 07.05. weitere Vorab-Veröffentlichungen geben wird. In Erwartung ähnlicher Qualität wie "New woman" werden wir euch bei unruhr rechtzeitig darauf aufmerksam machen.

www.instagram.com/listentoluisa

Wir werden sehen

Vor nahezu sechs Jahren warteten die Grandbrothers mit einem ganz eigenen Sound auf. Der Ursprung ist ein präparierter Flügel, der es Lukas Vogel ermöglicht, über den PC ebenfalls auf die Saiten des Instruments zuzugreifen, welche von Erol Sarp ganz klassisch über die Tasten bedient werden. Dadurch entlocken die Beiden dem Klavier völlig neue Klänge. Ein Ansatz, der meines Wissens bis heute einzigartig ist.
Das setzte sich mit dem Album "Open" fort und nun, nach langen vier Jahren, erscheint morgen das dritte Album "All the unknown". Sarp und Vogel versprechen, in den neuen Stücken auch andere Wege einzuschlagen und Unerwartetes zu probieren. Das Titelstück gibt darauf einen Hinweis. Es scheint, das Duo bewegt sich hinaus aus der Ecke Neoklassik, in der sie sich sowieso nie derart heimisch fühlten wie früher in Bochum. "All the unknown" ist für 4:30 sehr electropoppig, was sich bei früheren Stücken bereits unterschwellig andeutete. Hier wird offensichtlich der Anspruch untermauet, den die Grandbrothers seit jeher formulierten: Ihre Musik nicht nur sitzend zu genießen, sondern auch gerne tanzend.
Dagegen wird mit der zweiten Vorab-Veröffentlichung "What we see" mehr der gewohnte Grandbrothersgeschmack bedient. Wir werden also sehen, was genau uns morgen auf dem Plattenteller serviert wird.

www.grandbrothersmusic.com

...und der Hauthobel macht schubbischubbi

"Seggencheck" heißt so, weil damit unser Zeckencheck gemeint ist. Jetzt werden einige von euch klarer sehen. Oder auch nicht. Aber ist nicht schlimm, Denn schließlich reden wir an dieser Stelle vom DJ Hornhaut. Der Junge ist bekannt für verquere Beschreibungen von Alltäglichkeiten. So ist das auch bei "Seggencheck", das einen mit der Frage zurücklässt, ob es sich hier um Dadaismus für Beamtete oder um einen Sozialkompetenztest für Fußpfleger und Innen handelt.
Denn wer sind denn Anna und Artur? Und was passiert wirklich mit Scherben im Kasettendeck und unserer Panik im Hackysack?
Trotz all dieser Fragen bleibt aber ganz klar, dass DJ Hornhaut mit "Seggencheck" eine weitere Hymne für die Tanzfläche erschaffen hat. Was zeigt, dass das inzwischen sechste Album "Lass gut sein" voller Clubsound ist, selbst wenn es manchmal nach Punk oder auch nach schlechtem Schlager klingt. Deshalb hört nicht auf den DJ und schmeißt bitte nicht die Tanztabletten ins Klo.

www.facebook.com/djhornhaut

Dein Algorithmus weiß nicht weiter

Es ist zweifellos ein provokanter Titel: Die neue Single von Kraus heißt "Erschlagt die Armen" und wer wissen möchte, wie das denn gemeint ist, der muss halt hinhören. "Erschlagt die Armen" ist Kunst. Kunst, die uns alle konfrontiert - mit den Widersprüchen in uns selbst und unserer Gesellschaft. Diese Ambivalenz des Songs erschloss sich unseren Freunden bei Facebook nicht, so dass der Post zum Song gesperrt wurde und im Nachhinein auch alle weiteren Posts der Hamburger Band Kraus.
Dass die Firma Zuckerberg den Song nicht versteht, weil sie über den Tellerrand ihrer schematischen Rechenvorgänge nicht hinausblicken kann, ist auf der einen Seite erheiternd. Eher traurig ist es jedoch, wenn man bedenkt, was die sogenannten sozialen Medien sonst alles zulassen, beispielsweise von diesem gefährlichen Doofen in seinen letzten präsidialen Zuckungen.
"Erschlagt die Armen" ist also für all jene, die weiterdenken als es der Algorithmus erlaubt. Die verstehen, wenn Ihnen der Spiegel vorgehalten wird und bereit sind, ihr Tun auch einmal zu reflektieren.

Schaut euch also die beiden von Kraus produzierten Videoversionen des Songs an. Ihr habt in der Zwischenzeit ausreichend Zeit zu überlegen, ob "Erschlagt die Armen" oder euer favorisiertes Netzwerk asozial ist.

www.krausmachtmusik.de

 

Vor nix fies

Das ist eine echte Premiere! Nicht nur, dass Make boys cry ihr erstes Album "Glass cannon" vorstellt. Dieses Album mit astreiner Neoklassik erscheint morgen bei Audiolith in Hamburg. Damit erweitert das berüchtigte Label seinen Roster in eine ganz unerwartete Richtung.
Denn die junge Pianistin Make boys cry orientiert sich eher an Künstlern wie den Grandbrothers oder Ralph Heidel und so gar nicht an bisherigen Audiolith-Größen wie ClickClickDecker, Feine Sahne Fischfilet oder Olli Schulz. Hut ab, Audiolith!
Und so klingen bei der ersten Single "Skip me" Piano, Streicher und Trompeten im Einklang mit digitalen Bässen und erschaffen einen vielschichtigen Sound, für den der Begriff Neoklassik nicht erfunden wurde, aber wie Arsch auf Eimer passt. Gemeinsam mit dem beeindruckenden Video lässt Make boys cry ein Gesamtkunstwerk entstehen, das bei Audiolith einen ungewöhnlichen, aber den richtigen Platz findet. Da macht sich große Freude breit bei den Freunden der unkonventionellen Klänge.

www.instagram.com/makeboyscry

 

Die Offenbarung Swutschers

swutscher unterm baum coverKommt und geht in Scharen, ihr armen Sünder, auf dass ihr gerockt werdet!
Die Weihnachtsmänner um Sascha Utech bringen dafür eine oblatengleiche Scheibe auf den Markt, mit der ihr euch die erste Corona-Weihnacht im Namen des heiligen Rock'n'Roll dennoch gemütlich machen könnt. Rechtzeitig zum Fest hat die Hamburger Kapelle Swutscher eine Weihnachts-EP fertig gestellt. Die Jungs versprechen, dass "Unterm Baum mit Swutscher" jede Raclette-Orgie in Schwung und euch durch die dunkle Zeit bringt.
"Unterm Baum mit Swutscher" könnt ihr euch auf der bandcamp-Seite der Band downloaden. Kostenfrei oder aber gegen eine kleine Spende. Habt Erbarmen!

www.swutscher.bandcamp.com/album/unterm-baum-mit-swutscher

 

Endlich wieder scheiße benehmen

Der Bandname Viagra Boys kann einem durchaus in den falschen Hals geraten. Was sehr schade wäre, verpasste man doch diese außergewöhnliche Band um Sebastian Murphy. Die Viagra Boys liefern kerzengeraden Postpunk mit Saxophon und sind zudem für weitere Überraschungen gut. Wie beispielsweise die beiden Clips zu den neuen Songs "Ain't nice" und "Creatures", die in einer Fortsetzungsstory die Verwirrtheit eines penetranten Front-Asis visualisieren.
In der Hauptrolle natürlich Sebastian Murphy, der erklärt: "Als wir diese Songs schrieben, hatte ich gerade eine lange Beziehung hinter mir, nahm jeden Tag Drogen und benahm mich wie ein Arschloch", was sehr schön in den Videos rüberkommt.
"Ain't nice" und "Creatures" gehören zum neuen Album der Schweden, das "Welfare Jazz" heißt, um weitere Unklarheiten zu kultivieren. Genau wie die Synchronschwimmerinnen im Video. Herrlich, wenn man im ersten Augenblick nicht weiß, woran man ist. "Welfare Jazz" kommt am 08. Januar. Schade, wäre ein so schönes Weihnachtsgeschenk.

www.vboysstockholm.com

Ich geb Gas, ich will Spaß

Auch wenn das Debütalbum von Olympia "Auto" heißen wird, ist das oben genannte Zitat aus einem NDW-Klassiker keineswegs das Motto der Band. Olympia hat zwar unverkennbar Elemente der Neuen Deutschen Welle im Sound. Doch soll das auf keinen Fall an Markus oder Fräulein Menke erinnern, diesen Songs aus dem "Schreckens-Ghetto jener entsetzlichen NDW-Ü-50-Partys",wie die Hamburger meinen.
Die Band orientiert sich mehr an dem damaligen Output von Extrabreit, oder auch Grauzone und Fehlfarben. Dieser Sound wird von den Jungs geschickt getuned und auf das Niveau von 2020 gehoben. Daher sind Olympya Songs moderne Popmusik, die vermutlich nur die gebrechlichen 50er an die NDW erinnert, wenn sie im SUV zu einer der schrecklichen Partys fahren.

Das Debüt "Auto" erscheint im Februar 2021 bei Audiolith. Also, schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte bis die Zeit vergeht.

www.olympya.de

Ist das schön!

Fast tut es körperlich weh. Es entfahren einem tonnenweise Stoßseufzer beim Betrachten des Clips zum neuen Song von Dope Lemon. Gemeinsam mit Freunden, Sommer am See, Bier und Sonne. Das gibt es tatsächlich noch?
Dazu serviert Dope Lemon ein schmachtendes Stück Soul über Verlieben und Verliebtsein. Meine Güte, alles so lang her..."Kids falling in love" ist vielleicht der Silbersreif am Horizont dieses seltsamen Jahres. Vier Minuten des Vergessens auf einer Seebühne, die ihren Namen wirklich verdient.
Der Mann ist offensichtlich voller Hoffnung, denn zur Veröffentlichung der neuen Single gibt er drei Live-Termine in Deutschland für das kommende Jahr bekannt. Mensch, das wär's...Sollte es im Juni tatsächlich so weit kommen, geben wir natürlich rechtzeitig Bescheid.

www.dopelemon.com